Frieden in den Lehrplan!
02. Jun 2026
Die Wiedereinführung des freiwilligen Wehrdienstes im Dezember vergangenen Jahres hat für viele junge Menschen das Fass zum Überlaufen gebracht. Zu Tausenden gingen sie bundesweit auf die Straßen gegen eine politische Entscheidung, die über ihre Köpfe hinweg getroffen wurde, obwohl sie ihre Zukunft unmittelbar betrifft. Vielen geht es nicht nur um den Wehrdienst, sondern auch darum, in welche Zukunft wir angesichts von Kriegen und massiver Aufrüstung steuern.
Wir fordern: mehr Friedensbildung an Schulen – damit junge Menschen sich differenziert mit diesen Fragen auseinandersetzen und eine friedliche Zukunft aktiv mitgestalten können. 74 Prozent der 16- bis 25-Jährigen wünschen sich laut einer Umfrage im Auftrag von Greenpeace, in die politische Diskussion um die Wehrpflicht stärker einbezogen zu werden. Unter jungen Menschen wächst das Bewusstsein, dass Fragen von Krieg und Frieden ihr Leben und ihre Zukunftsperspektiven unmittelbar betreffen. Doch sie haben nicht das Gefühl, ernst genommen zu werden und wirklich mitreden zu können. Die aktuelle Trendstudie ‚Jugend in Deutschland‘ stellt fest, dass sich junge Menschen ohnmächtig und alleingelassen fühlen im Umgang mit Kriegen und anderen Krisen. Es fehle an Gesprächen darüber ebenso wie an Beteiligung an Lösungswegen, die Jugendlichen wieder Zuversicht geben könnten. Genau hier setzt Friedensbildung in der Schule an: indem sie Alternativen zu Krieg und Gewalt aufzeigt. Mehr Friedensbildung bedeutet damit auch mehr Perspektivenvielfalt in einer gesellschaftlichen Debatte, die sich aktuell vor allem auf militärische Sicherheit fokussiert.
Bisher dominiert ein Akteur die politische Bildung zum Thema Krieg und Frieden an Schulen: die Bundeswehr mit ihren Jugendoffizieren. 2024 gab es nach Angaben des Verteidigungsministeriums 94 Jugendoffiziere. Sie haben 3.400 Vorträge an Schulen gehalten und damit mehr als 88.000 Schüler*innen erreicht.
Zwar gibt es auch zivilgesellschaftliche Organisationen wie Pro Peace, die Friedensbildungsreferent*innen an Schulen vermitteln. In Baden-Württemberg und Niedersachsen wurden in den letzten Jahren Service- beziehungsweise Koordinierungsstellen für Friedensbildung eingerichtet. Hier werden nicht nur Fachleute für Friedensbildung ausgebildet, sondern auch Handreichungen für den Unterricht entwickelt und Fortbildungen für Lehrkräfte angeboten. Doch diese Leuchtturmprojekte bleiben nicht nur bei Budget und Reichweite hinter dem Programm der Bundeswehr zurück, sie können auch bei weitem nicht den stark wachsenden Bedarf decken, der aus den Schulen an sie herangetragen wird. Und das war schon lange vor der Debatte um den Wehrdienst der Fall. Die Kriege in der Ukraine und in Nahost spiegeln sich längst auch im Schulalltag wider, und Lehrkräfte sind herausgefordert, einen konstruktiven Umgang damit zu finden.
Es braucht also dringend einen politischen Impuls zur Stärkung der Friedensbildung an Schulen, und zwar bundesweit. Bildungspolitik ist in Deutschland bekanntermaßen Ländersache. Doch es gibt ein gemeinsames Gremium: die Konferenz der Bildungsminister*innen. Deren Beschlüsse haben eine hohe Verbindlichkeit. In den letzten Jahren entwickelte diese Runde beispielsweise gemeinsame Orientierungsrahmen, um die Demokratiebildung und die Bildung für nachhaltige Entwicklung in allen Bundesländern zu stärken. Doch bislang gibt es keinen entsprechenden Beschluss für die Friedensbildung. Genau das wollen wir nun mit einer Petition an die Konferenz ändern.
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pax christi Deutsche Sektion